Schriftstellerin - aber Neurodivergent

Veröffentlicht am 25. Oktober 2026 um 13:43

Ich bin 8 Jahre alt. 

Wenn ich groß bin, möchte ich Schriftstellerin werden. Gerade habe ich meine erste, sechsteilige Geschichte über ein kleines Fohlen geschrieben, welches seine Mama verliert. Ich bin mir sicher, dass es irgendwann groß raus kommen wird und fordere beim zwanzigsten Vorlesen, die Geduld meiner ganzen Familie heraus. 

 

Ich bin 16. Jahre alt. 

Schriftstellerin möchte ich nicht mehr werden. Das Leben hat meine ungefilterte Fantasie erdrückt. Doch das Schreiben ist geblieben. Es rettet mich durch den Kampf jeden Tages. Die Angst vor dem Leben hindert jeglichen Gedanken daran, ob ich überhaupt eines Tages irgendetwas sein werde. 

 

Ich bin 24. Jahre alt. 

Heute bin ich Schriftstellerin. Schreiben ist zu meiner Berufung geworden. Doch was bin ich für eine Schriftstellerin, wenn all meine Geschichten und Bücher, die durch mich in die Welt gerufen werden, immer wieder warten müssen…weil meine Welt den Stürmen des Lebens nicht standhält. Ich immer wieder daran scheitere, in dieser Welt zu bestehen. 

Bis zu dem Tag, an dem ich erfuhr, was meine ganze Welt erklärt.

 

3 Monate ist es nun her, seit ich weiß, dass ich Autistin mit ADHS bin. Nach über 10 Jahren Krankheitsgeschichte, gibt es zum ersten mal eine Antwort auf all das, was mich immer zur Fremden dieser Welt gemacht hat. 

Mein Leben hält inne. Das was ohne Bestand war, bricht vollends zusammen und alles was vor mir liegt, darf ich plötzlich mit völlig anderen Augen betrachten. 

Ich denke zurück an mein 8 jähriges ich. Wie es sich sicher war, dass wir immer irgendwie einen Weg finden würden, durch unser Leben zu kommen. Ich nehme es in den Arm und halte es fest. Ich weiß, dass es recht hat, mit all dem was es glaubte, sein zu können. Doch ich flüstere ihm zu, dass es geduldig mit mir und unseren Träumen sein soll. 

Denn jetzt beginnt nicht nur unser tiefster Heilungsweg. Sondern ein ganzes Leben, in dem wir zu uns zurück kehren dürfen. Zu dem, was wir schon immer bestimmt waren, zu sein. 

 

Ein leuchtendes Wesen. 

Dessen Worte fähig sind, die Welt zu halten. 

Doch nun, gilt es die unsere zu halten, bis wir stark genug sind, den Stürmen dieses Lebens wieder zu trotzen. 


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